Integration von HERMES in die Stammorganisation

Allgemeines

Da jede Stammorganisation ihre spezifischen Eigenheiten hat, ist die Anpassung der Methode an ihre Bedürfnisse oft unerlässlich und vorteilhaft für eine effiziente Projektabwicklung.

Mit der Integration von HERMES in die Stammorganisation werden folgende Ziele verfolgt:

  1. Spezifische Prozesse und Vorgaben der Stammorganisation, die HERMES nicht kennt, sind berücksichtigt.
  2. Projektleiter, Anwendervertreter und weitere Projektbeteiligte werden noch besser unterstützt. Sie verfügen über einen organisationsspezifisch definierten Rahmen.
  3. Die Effizienz in der Projektabwicklung ist erhöht, da Prozesse und Vorgaben nicht mit jedem Projekt neu erfunden werden müssen.
  4. Mit der weitergehenden Integration von Praktiken in die Methode, von anderen Methoden sowie von Hilfsmitteln wird die Qualität erhöht. Insbesondere die breit eigesetzten agilen Entwicklungsmethoden werden ihrer Projektmanagementdefizite beraubt. Sie passen sich dank HERMES voll der Organisation an.
  5. Die Schulung von HERMES kann mit den organisationsspezifischen Anpassungen erfolgen und ist entsprechend wirksamer. In Bezug auf die Zertifizierung empfiehlt es sich, insbesondere die Terminologie von HERMES nicht übermässig zu verändern.

Vorgehen

Die Integration von HERMES in die Stammorganisation erfolgt am besten über ein Projekt.

Das Projekt kann auf der Grundlage des Szenarios Dienstleistung/Produkt Adaption durchgeführt werden. Dabei werden auch die Aspekte der Einführungsorganisation mit der Ausbildung beachtet sowie die Organisation mit den Prozessen für Betrieb und Weiterentwicklung des Projektmanagements erstellt und aktiviert.

Die Anpassung erfolgt durch das Kompetenzzentrum Projektmanagement.

Anpassung der Methode

Integration wichtiger Elemente in die Methode

Die Vorgaben der Stammorganisation werden in die Methode integriert, z. B.

  1. Vorgaben aus organisationsspezifischen Prozessen
  2. Entscheidungsprozess klassisch/agil, notwendige Entscheidungsgrundlagen
  3. Vorgaben sonstiger Entscheidungsprozesse
  4. Vorgaben des Reportings (Projektstatusbericht, Phasenbericht, Releasebericht)
  5. Vorgaben zu SLAs, Verträgen und Vereinbarungen
  6. Aspekte der Sicherheit und des Datenschutzes
  7. Aspekte der Lösungsarchitektur

Die spezifischen Methoden und Praktiken zur Ergebniserarbeitung werden in die Methode integriert, z. B.

  1. Ergebnisdarstellungen des Requirement Engineerings
  2. Ergebnisdarstellungen der Datenmodellierung (z. B. mit INTERLIS, UML *Unified Modeling Language (UML), entworfen von der Object Management Group für die objektorientierte Modellierung, ist eine grafische Beschreibungssprache zur Darstellung von Softwaresystemen wie Datenbankanwendungen, Echtzeitsystemen oder Workflowanwendungen. )
  3. Ergebnisdarstellungen der Geschäftsprozessmodellierung (z. B. mit BPMN *Business Process Model and Notation (BPMN), entworfen von der Object Management Group, ist eine grafische Beschreibungssprache zur Erstellung von Geschäftsprozessmodellen, Flussdiagrammen und Workflows. )
  4. Einbettung der agilen Entwicklungsmethode (z. B. mit SCRUM)
  5. Praktiken zur Integration in den Betrieb (z. B. mit Hilfe von ITIL *Information Technology Infrastructure Library (ITIL) ist ein IT-Service Management Framework bestehend aus Best Practice-Prozessen zur Bereitstellung von IT-Services. )

Die Methodenelemente werden bei Bedarf angepasst. Dabei sollen die folgenden Punkte beachtet werden:

Phasen und Meilensteine
  1. Die definierten Phasen dürfen nicht entfallen, sie können aber unterteilt werden.
  2. Die Meilensteine dürfen nicht entfallen, richten sich aber nach der Vorgehensweise und nach einer allfälligen Unterteilung der Phasen.
  3. Die Bezeichnungen der Methodenelemente sollen nicht geändert werden.
Ergebnisse mit Dokumentvorlagen und Aufgaben
  1. Minimal geforderte Dokumente (Ergebnisse) dürfen nicht entfallen.
  2. Mehrere Einzelergebnisse können zusammen in ein gemeinsames Dokument integriert werden.
  3. Ergebnisse können aufgeteilt werden.
  4. Zusätzliche Ergebnisse können definiert werden.
  5. HERMES-Dokumentvorlagen können durch organisationsspezifische Dokumentvorlagen, durch Dokumentvorlagen aus GEVER-Systemen *Abkürzung für "Geschäftsverwaltung“, wird im Verwaltungswesen für Workflow-Systeme mit elektronischer Geschäfts- oder Aktenführung verwendet. oder durch andere Lösungen ersetzt werden.
  6. Ergebnisse können in der Dokumentvorlage differenzierter beschrieben werden.
  7. Für ein Ergebnis können mehrere Dokumentvorlagen erstellt werden.
  8. Dokumentvorlagen sollen den in der Ergebnisbeschreibung der Methode definierten Inhalt umfassen, können aber erweitert und konkretisiert werden.
  9. Die zur Erarbeitung der Ergebnisse notwendigen neuen Aufgaben müssen beschrieben werden.
Module, Szenarien
  1. Es können neue Module und Szenarien erstellt werden.
  2. Die definierten HERMES-Szenarien und -Module können mit Ergebnissen und den dazugehörigen Aufgaben erweitert, aber nicht reduziert werden. Wenn Ergebnisse oder Aufgaben aus einem Szenario oder Modul entfernt werden, ergibt sich daraus ein individuelles Szenario.
Rollen
  1. Rollen können differenzierter beschrieben werden, solange der wesentliche Aufgabenbereich identisch ist.
  2. Weitere Rollen können definiert werden. Für jede neue Rolle ist eine Rollenbeschreibung zwingend.
  3. Neue Rollen müssen einer der Hierarchieebenen und einer Partnergruppe zugeordnet werden.
  4. Minimal zu besetzende Rollen sowie deren Zugehörigkeit zur Partnergruppe Anwender dürfen nicht verändert werden.
Checklisten
  1. Der Inhalt aller Checklisten kann beliebig angepasst und erweitert werden.
  2. Checklisten, die in Entscheidungsaufgaben beschrieben sind, können nicht entfallen.
  3. Es können zusätzlich auch separate individuelle Checklisten definiert werden.

Nachdem organisationsspezifische Anpassungen durchgeführt wurden, werden Szenarien für Projekte mit gleicher Charakteristik erstellt.